Vorweg: Ein Stimmungstagebuch ersetzt keine Behandlung, und RecTake ist kein Medizinprodukt. Die App stellt keine Diagnose und deutet nichts. Wenn es dir über Wochen schlecht geht, sprich mit deiner Hausärztin oder einer Psychotherapeutin. In einer akuten Krise erreichst du die Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenlos unter 0800 111 0 111.
Wie war deine Stimmung letzte Woche? Die meisten antworten mit einem Wort, und welches Wort das ist, hängt davon ab, wie der heutige Tag läuft. Ein Stimmungstagebuch ersetzt dieses eine Wort durch das, was wirklich war: Dienstag gut, Mittwoch müde, Donnerstagabend gereizt.
Die Idee ist alt und einfach. Schwierig ist nur, sie durchzuhalten.
Was ein Stimmungstagebuch ist
Ein Stimmungstagebuch hält mehrmals am Tag kurz fest, wie es dir geht, damit du nach Wochen nachsehen kannst, statt dich zu erinnern.
Lange Texte braucht es dafür nicht. Eine Stufe auf einer Skala und ab und zu ein Halbsatz reichen. Der Wert entsteht nicht im einzelnen Eintrag, sondern in der Reihe: Erst wenn dreißig Tage nebeneinander stehen, siehst du, ob die Montage anders sind als die Freitage, ob das Tief nachmittags kommt oder abends, und ob die gute Woche wirklich so gut war, wie du sie in Erinnerung hast.
Ohne Aufzeichnung färbt die Erinnerung. Gute Tage fallen nicht auf, weil niemand fragt, warum es ihm gut geht. Schlechte Tage bleiben hängen und bestimmen, wie man auf die ganze Woche zurückblickt.
Warum die meisten nach einer Woche aufhören
Die meisten hören auf, weil jeder Eintrag eine kleine Entscheidung verlangt, und Entscheidungen kosten gerade dann am meisten, wenn es einem schlecht geht.
App öffnen, eines von zwanzig Gefühlen auswählen, einen Regler schieben, eine Frage zum Tag beantworten. An einem guten Tag ist das eine Minute. An einem schlechten ist es genau die Minute, die du nicht aufbringst. So entstehen die Lücken an den Tagen, die du später am dringendsten sehen wolltest.
Dazu kommt das Vergessen. Wer nur einträgt, wenn er daran denkt, trägt vor allem an ruhigen Tagen ein. Das Tagebuch sieht dann besser aus als das Leben.
Ein Satz statt eines Formulars
In RecTake sagst du einen Satz wie „Ich fühle mich müde“, und daraus wird ein Befinden auf einer Skala von eins bis fünf.
Die App kennt die üblichen Wörter. „Erschöpft“ ist die unterste Stufe, „müde“ die zweite, „okay“ die Mitte, „gut drauf“ die vierte und „super“ die oberste. Ein „nicht“ davor dreht es um: „Ich fühle mich nicht gut“ landet auf der zweiten Stufe. Wer lieber tippt, wählt eine der fünf Stufen mit dem Finger.
Für alles, was in keine Stufe passt, gibt es Notizen. Du tippst sie, sprichst sie und lässt sie mitschreiben, oder du nimmst nur den Ton auf. Zu einer Notiz kannst du wahlweise eine Stufe setzen, ohne Auswahl bleibt sie eine reine Notiz.
Die Umwandlung von Sprache in Text macht das Betriebssystem deines Telefons, und die Aufnahme verlässt das Gerät nicht. Auf Android braucht das Version 13 oder neuer, auf dem iPhone ein XS, XR oder neuer. Sonst trägst du getippt ein.
Die Frage, die von selbst kommt
Du musst nicht selbst daran denken: RecTake kann dich zu festen Uhrzeiten oder in einem festen Abstand fragen, wie es dir geht.
In der Vorgabe ist diese Abfrage aus, weil sie eine Entscheidung ist, die du treffen solltest. Unter „Planen“ schaltest du „Regelmäßig nach der Stimmung fragen“ ein und wählst bis zu vier feste Uhrzeiten oder einen Abstand zwischen einer und acht Stunden. Die Meldung fragt „Wie geht es dir gerade?“, und deine Antwort steht als Befinden im Verlauf, auch an Tagen, an denen du sonst nichts einträgst.
Daneben gibt es die Nachfrage nach einem Eintrag. Hast du etwas eingetragen, fragt die App eine Weile später, wie es dir geht, in der Vorgabe nach zwei Stunden und höchstens dreimal am Tag. In deinen Ruhezeiten fragt sie nie. Es gibt keine Serie, die reißt, wenn du eine Frage überspringst. Ein Tag ohne Antwort ist einfach ein Tag ohne Antwort.
Was du zusätzlich festhalten kannst
Eine Stimmung sagt erst etwas, wenn daneben steht, was sonst an dem Tag war.
Das muss nicht viel sein. RecTake kennt sechs Eintragsarten: Supplemente, Medikamente, Essen, Getränke, Befinden und Notizen. Ein Kaffee am Nachmittag, eine Tablette am Morgen, eine Notiz „schlecht geschlafen“ oder „Streit im Büro“. Schlaf ist dabei keine eigene Messgröße, sondern eine Notiz. Das reicht, um ihn später wiederzufinden.
Fang klein an. Wer vom ersten Tag an alles erfassen will, hört in der zweiten Woche auf. Erst das Befinden und das, was du ohnehin nimmst. Der Rest kommt, wenn er von selbst kommt. Wie man so etwas über Wochen durchhält, steht in Ein Supplement-Tagebuch, das man länger als zwei Wochen führt.
Was du nach ein paar Wochen siehst
Nach ein paar Wochen siehst du dein Befinden als Balken unter jedem Tag des Monats, daneben deine Einträge, und du kannst jeden Tag einzeln aufmachen.
- Der Monat. Jeder Tag eine Zelle, ein Balken fürs Befinden. Die Farbe fasst die fünf Stufen grob zu drei zusammen: schlecht, mittel, gut.
- Der Tag. Eine Stundenachse mit allem, was du gesagt hast, in der Reihenfolge, in der es war.
- Deine Woche. Eine Übersicht, an wie vielen Tagen du etwas eingetragen hast und was am häufigsten vorkam.
- Der Bericht. Tag, Woche oder Monat als PDF. Unter jedem Befinden steht, was du in den acht Stunden davor eingetragen hast, mit Uhrzeit und Abstand. Wie das aussieht, zeigt der Beispielbericht.
Was du nicht bekommst, ist eine Erklärung. RecTake sagt nicht, warum der Mittwoch schlecht war, und vergibt keine Note für die Woche. Ob der Kaffee am Nachmittag etwas mit dem gereizten Abend zu tun hat, entscheidest du, und meistens braucht es dafür mehr als drei Wochen. Warum Muster bei einer einzelnen Person so leicht täuschen, steht in Warum dieselbe Ernährung nicht jedem gleich guttut.
Wo ein Stimmungstagebuch aufhört
Ein Stimmungstagebuch beschreibt, wie es dir ging. Es erklärt nichts und behandelt nichts.
- Keine Diagnose. Ein Verlauf mit vielen schlechten Tagen ist ein Grund, mit jemandem zu sprechen, der dafür ausgebildet ist. Die App bewertet ihn nicht.
- Ein guter Gesprächsanfang. Wer zu einem Termin einen Monatsbericht mitbringt, muss nicht aus dem Gedächtnis schätzen, wie oft und seit wann. Wie man so ein Gespräch vorbereitet, steht in Medikamente und Supplements beim Arztgespräch.
- Deine Daten bleiben bei dir. Einträge und Aufnahmen liegen auf deinem Telefon und verlassen es nicht. Weitergegeben wird nur, was du selbst exportierst und verschickst.
RecTake ist noch nicht im Store. Wenn du Bescheid bekommen willst, sobald es die App gibt, trag dich in die Warteliste ein. Du bekommst genau eine Nachricht.